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Die mittelhochdeutschen Originaltexte der Lieder und Sprüche Wizlaws

Hier lest ihr die mittelhochdeutschen Texte sämtlicher Lieder und Sprüche Wizlaws. In der linken Spalte stehen die Verse in der durch die Jenaer Liederhandschrift überlieferten Originalform (im unten genannten Werk wiedergegeben, in dem Reinhard Bleck auch eine interessante Theorie zum möglichen historischen Hintergrund und deshalb zu einer anderen Strofenfolge des Spruchs im Ton I herleitet) einschließlich der mit grünen Nummern gekennzeichneten Blatt-/Spaltenanfänge in dieser Handschrift. Ebenfalls grün hervorgehoben sind die Stellen an denen leider Textverlust eingetreten ist. Die rechte Spalte enthält die von Friedrich von der Hagen in seinem Werk “Minnesinger” in die reine mittelhochdeutsche Form umgewandelten Verse (vom Autor der Homepage um die heute für mittelhochdeutsche Texte verwendeten Sonderbuchstaben ergänzt). Während meiner eigenen Nachdichtung von Wizlaws Werk ist mir aufgefallen, dass bei der Übertragung ins normierte Mittelhochdeutsch v. d. Hagen einige Worte falsch wieder gegeben hat, sodass dadurch ein vom Originaltext abweichender Sinn entstand. Ich habe mich in solchen Fällen dann ausschließlich auf Wizlaws Original gestützt. Beim Vergleich beider Textformen könnt ihr sehr gut im Originaltext Wizlaws die Verwendung mittelniederdeutscher Worte und Wortbestandteile bei einer mittelhochdeutschen Grundform erkennen, so z.B. die Lautverschiebung von “i” nach “e”: “se” statt “sie”, “de” statt “diu”. Diese Besonderheit der Dichtung bei Wizlaw resultiert meiner Meinung nach aus der Tatsache, dass er sich beim Erlernen des Minnesangs an oberdeutsche Vorbilder gehalten hat, da diese Kunst in Norddeutschland kaum verbreitet war. Und noch ein interessantes Spezifikum weist die Sprache der Lieder und Sprüche auf: Wizlaw benutzt sehr häufig bei Wörtern wie “er” ein “h” im Anlaut, sodass “er” als “her” textlich überliefert ist. Jahrhunderte später begegnet uns ein ähnliches “Anhauchen” von Vokalen in der deutschsprachigen “Wendland-Chronik” des Johann Parum Schultze, eines der letzten Polaben. Dieses Charakteristikum bei Slawen, die sich der deutschen Sprache bedienen, zeigt meiner Meinung nach die Zweisprachigkeit Wizlaws. Und bestätigt die Zugehörigkeit des Spruchs Ihc wil singhen zum Wizlaw-Corpus, da in diesem Fragment auch zweimal “her” erscheint. Zudem enthält er ebenfalls mittelniederdeutsche Einsprengsel und ist in keiner der anderen Tradierungen des Werks Friedrichs von Sonnenburg enthalten. Interessant wäre zudem, inwieweit auch die dänische Sprache Einfluss auf Wizlaws Dichtung nahm.

Wenn ihr auf das erste Bild neben diesem Text klickt, bekommt ihr die Minnelieder und Sprüche Wizlaws als PDF-Dokument. Die 1. Spalte enthält die Originaltexte in mittelalterlichen Majuskeln und Minuskeln ähnelnde Schriftarten (GoticaBastard für die Überschriften und MorrisRoman für die Strofen). In der 2. Spalte steht eine mittelhochdeutsche Normierung der Texte und in der 3. Spalte findet ihr meine eigenen Nachdichtungen.
Beim Klick auf das zweite Bild erhaltet ihr ein
PDF-Dokument mit den zu den Tönen Wizlaws gehörenden Melodien in der überlieferten Quadratnotation. Die Seiten sind aus dem alten Werk von Fr. H. v. d. Hagen eingescannt, deshalb habt bitte Nachsicht bei der Qualität. Beachtet bitte auch, dass das Dokument sehr groß ist (3,6 MB).

Liebe Spielleute und Minnesänger von heute, extra für euch:

Wizlaws Texte als PDF-Download Wizlaws Melodien als PDF-Download

Ihc wil singhen
(früher Meister Friedrich von Sonnenburg (Spruch IV) zugeordnet, jedoch äußerst wahrscheinlich aus der Feder Wizlaws)

(72vb) Ihc wil singhen
in der nuwen wi se eyn let
von dem der mich ghe machet hat
der mach mir nemen
vnde gheben waz her wil.
Ich wil bringhen
dar tzů hertze vñ den sin ich ret
daz al min heyl an ym be stat.
liph gůt. můt leben
waz des ist her mach vil.
Wol min spil letzen daz ich tzů rechte haben ...
(fehlendes Blatt)

I. Menschen kint denket dar an

(73ra) Menschen kint denket dar an.
ob ich vch ghe raten kan.
iz ist in der werlt wol schin
daz endes tac wil komen.
Iz ist inder werlt wol schin
daz kint truwet nicht den vater sin
noch vater sime kinde nicht
daz habe wir wol uor nomen.
Nu tōt al so
daz ir sith vro.
ob ich iz vch vůr hele.
Daz ir tzůr stunt
nicht sith ghe (73rb) wnt
ghar an uwer sele.
Wenne ir den gheyst vph gheben
vñ nicht be halden můgen den leben
daz ir denne keyne not liden
daz mach vch uromen.

O maria din sutze vrucht.
vntphinc eyn hohe drucht.
von gabrielis bothescaph
sich aue her dich nente.
Din kusch edel dich be twanc.
daz vz dime munde ir klanc.
ghotes wille sche an mir
tzů hant sich daz wort lente.
Dar nach wart schin.
eyn kindelin.
daz du iuncvrowe bere.
Nach ghotes e.
ane alle we.
vñ ane keyne swere.
So quam tzů ir werlt maghet din kint.
durch vns wart her ghe crůceghet sint.
durch vns vor los her sin leben
diz was eyn groze rente.

Ich wende buwen vph eyne stat.
de wort teten mir hin ablat.
wente iz was dar grundelos
min hus begunde vallen.
Inder půtten (73va) ich be lac.
went her quam der iz al vor mac.
her hob iz vph mit siner hant
lute be gunde ich scallen.
Vñ scre also.
alpha & o.
din lop si ghe vōret.
Went din list kan.
inde lupht han.
daz iz nicht en rōret.
Sewe noch der erden list.
dar vmme du der wise bist.
indinen listen stet iz al
waz wir hir můghen kallen.

Tzů rome eyn wnderlist ghe scach.
vz der erden eyn viůr vph brach.
daz wast wul der erde bran
yr ghot tete yn daz kůndich.
Swelich man mit ganzen willen sin.
mit wllen wafphen rete dar in.
des viůres macht were den ghe leghen
des wart da eyner můndich.
Man lez yn dar.
eyn ganziz iar.
den willen sin vor bolghen.
War was sin můt.
dar stūt sin hůt.
maghet wiph most ym heym volghen.
Do daz iar eyn ende wan.
der ritter wart ghe wafphent san.
hin hōu her indaz viůr vz lasch
daz da was worden tzůndich.

Nu rate eyn wiser waz diz si.
iz wont vns alghe meyne bi.
vñ ist vns allen vnder tan
doch ez iz vnser here.
Iz ist groz went iz vns wert.
vñ ist noch kleyner den eyn ert.
vñ tůt vns manigher hande walt
mit sin (73vb) vmmekere.
Daz ist so rich.
nicht sin ghe lich.
weyz ich imme libe.
Dar tzů so kluch.
mit siner vůch
trift iz man von wibe.
Uollenkomene macht iz hat.
vñ ghit tzů allen dinghen rat.
vñ ist tummer wen ie icht wart
nu rate dise lere.

Ich wil bitten inder tzit.
daz du dine hulphe wit.
ghe ghezest here an mich eyn teyl
ihesus du wnderere.
Sint ich ane dich nicht mac.
ghe leben nimer ghůten tac.
noch ane groze helphe din
la mich nicht helphe lere.
Stete des nicht.
dem tubel icht.
daz her mich be screnke.
Vvent her so vil.
der sunden spil.
vōghet mit siner lenke.
Dune willest min helpher sin.
here her tzůt mich anders hin.
vor wulle here minen geyst
sint ich des an dir ghere.

Dem kuninghe nabughodonosor.
quam an sime troume vor.
we her eyn bilde vor ym sach
daz tucht ym lanc vñ scone.
Sin hohe vnz an den hymel dranc.
daz hoybet was ym guldin blanc.
de arme weren ym sulberin
daz sprech ich ane hone.
Eme duchte an lust.
(74ra) erin de brust.
was ym al tzů male.
Der buch koppherin.
de dee stalin.
ducht ym indem twale.
De vōtze erdin vor ym scheyn.
da leph vz dem berghe eyn steyn.
der rephez al tzů male kleyn
daz selbe bilde kone.

Daz guldin hoybet tzeyghent daz.
de werlt tzut sich nider baz.
nu is se worden selberin
do stunt se wol bi beyden.
Dar nach wart se erin gar.
nu is se worden koppher var.
diz ist bi vnsen tziten schen
daz klaghen kristen heyden.
Dar nach se birt.
stal ysin se wirt.
vph eyne nuwe scande.
Dar nach erdin.
se doch můz sin.
sus wirt se manigherhande.
So kumpt ghot der grozer steyn.
her ripht den sunder erden kleyn.
so hat wir gherne wol ghe tan
sus můz wir von ym scheyden.

Mir ge schit nicht wen mir scaffen ist.
iz můz nu sin dise list.
de bringhet manighen man dar tzů
dar er sich selben trughet.
Ghe scaffen vñ iz můz doch sin.
horet dise torelin.
we se leghen vñ der werlt
de wort valsch von yn vlughet.
Tůt se eyn leyt.
se sint ghe veyt.
vñ yent diz můz so wesen.
(74rb) Des mac nicht sin.
nu merket min.
iz ne wart nighe lesen.
An worten noch an bůchchen kraft.
war nemen de toren disen haft.
daz se de lute treghen sus
ir sin se selbe an lughet.

A herre ghot we lebe ist mich.
wen ich an se vil eren rich.
von holsten eynen herren wert
den han ich vch ghe nennet.
Noch en sach ich nie den man.
der yn des vůr winnen kan.
daz her missetrete sam eyn har
vrowere yn wol ir kennet.
An siner iughent.
her hat de tughent.
ghar an sich ghe vazet.
Des ist her wis.
vñ hat den pris.
dar vmme scande yn hazet.
Man vnde wip sprechen ym ghůt.
des hat her eynen stete můt.
des si ghe lobet sin blůyende iughent
vph eren sla her rennet.

II. Saghe an du boser man

(74va) Saghe an du boser man.
wes haszes tu.
eynen ghůten liph
io gunde her dir eren wol
bose krankez hertze.
Wolde her dir nach ghan
so daz er tzů.
dir phlichte ane kip.
so wer wir eyn des mach nicht sin
diz ist dir eyn smertze.
Blip so du bist
vñ habe dir daz tzů boze
daz du den ghůten nicht irrest
da mit her eren moghe ir uolghen.
Sich nuen stete des (74vb) nicht din vn moze
durch daz sit yr tzuyer sinne
daz machet din scalkheyt ist vor bolghen.
Nu habe dir biderbe ghůt.
ghutlich leben
der scalk scalkheyt vil.
mit dem ghůten wil.
ich iz han scalk dir ist bosheyt gheben.

Dise heylighe tzit.
de twinghet mich
daz ich singhen můz.
von dem der mich ghe machet hat
sceppher aller dinghe.
Hilph daz ich werde quit.
der sūden rich.
vnd ir wde bůz.
die ich lange han ghe traghen
mache mir de ringhe.
Minen lip hast du ghe machet brōde.
(75ra) diz be denke edele here.
halde mich tzů dime willen vaste.
Al bin ich an dime righe snode.
be denke wislau din wisheyt
mache yn nicht tzů elendem gaste.
Du hast mich ture koypht
mit dinem blůte.
vrowe reyne meyt.
bittēs wes be reyt
kegn din kint daz iz si min hůte.

III. Ich partere dich durch mine vrowen

Ich partere dich durch mine vrowen
de dich leplich sach vor (75rb) minen oughen.
Hertze trute sich min eyn par vrowe
tzů aller ghůte schinbar vntoughen.
Uver mach vůr ghůten dine ghůte.
ven ghot der ghute dich be hůte.
Des be darph ich wol sol ich mich neren
vor diner minne diz mach ich sweren.

IV. Der vnghelarte hat ghe machet eyne senende wise

(75va) Der vnghelarte hat ghe machet
eyne senende wise
da von lide ich groze not
er ich dar nach singhe
so ghe tan eyn done.
Iz ist so harte.
daz ich yn an mineme sanghe prise.
sint ich iz bi minen tziten
nie han ghe (75vb) hort
durch daz dunket iz mich scone.
Nu uolghe ich ym
durch daz her mich hat ghe bracht in diů leyde.
Durch daz ich mannen vñ den wiben
můz mit phin vnder sceyde.
Machen eyne senende hůre.
Daz diů were scone vñ tůre.
So wolde ich sprechen
nu hat ghe ganghen miner kunsten rute
kinder alle ich saghe vch
daz hi ist diser (76ra) senende claghe sůze lute.

V. Nach der senēden claghe můz ich singhen

(76rb) Nach der senēden claghe můz ich singhen.
kunde ich mir selben bringhen.
vroyde nach dem willen min.
Daz ich můchte leben ane swere.
so were ich vroyden bere.
hohes můtes wolde ich sin.
So vůr wnne ich alle senēde wise.
daz ich wol tzů prise
ymmer (76va) andaz alter vrolich grise
sunder allen pin.

In hoher werde eyn leplich abentůre.
tůt mir deminne hůre.
wen ich denke ir werdicheyt.
Vve nach wnsche wol ghe tan eyn bilde.
vor minen oughen spilde.
de mich andaz hertze sneyt.
Mit ghe welde clar also desunne.
waz ist bezzer wnne.
wen se mit yr scone twinghen kunne.
de delebe treyt.

Se scoz mich durch de oughen indaz hertze.
vnttzundet sam eyn kertze.
weldilichē tzů ghe vloghē.
Sus berovuet se mich min sinne.
de mīnīgliche mīne.
seth we se hat mich be troghē.
Uven de lebe liche waghe stellet.
vñ in minne sellet.
so der hertzelebe wol ghe vellet.
lep durch lep ghe tzoghen.

VI. Manich scimphit vph sin eygen tzil

Manich scimphit vph sin eygen tzil.
der nicht rechte wiszen wil.
waz ym vernet oder (76vb) nahet.
Her sicht scanden vil vph eynen man.
der selben nie eren wan.
sere mich daz vůr smahet.
Sin scimphlich wort.
de sint ghe hort.
vz sinem munde ir ganghen.
Durch sinen haz.
her lez iz baz.
ich lich yn eytter slanghen.
Here ghot giph dem vor scampten man
wibe. vluch der manne ban
diů nach der scalkheyt gahet.

VII. List du inder minne dro

(fehlendes Blatt)
...
(77ra) List du inder minne dro.
ich se den lechten morghen vro.
de voghelin singhen den tac her ist ho.

Der ritter hort den wechter.
her wekte sine brut.
Lep morghen kom ich echter.
io bist du leb min trut.
Se want yn ir arme blanc.
den ritter mit sorghen se ranc.
her trūte se des saght seym da danc.

Sich hoph dar eyn leyt sceydē.
da wart weynē so grōz.
Her svůr bi tūrē eydē.
ich tů dich sorghē bōz.
Den noch weynete daz wip.
se sprach tzůtzym selle nu blip.
her iach ich wil tzů dir ane kip.

VIII. Ich warne dich vil iungher man ghe tzarte

Ich warne dich vil iungher man ghe tzarte
halt milden můt.
Vvaz dir da von hey les ghe schicht (77rb) nu warte.
daz du bist gůt.
Dem valschen rate du vnt wiche.
de heylighe vnt phan dich al ghe liche.
ine scone sele in gho tes hohe ri che.

IX. Uve ich han ghe dacht

(77va) Uve ich han ghe dacht.
al disen nacht.
an mine grozen swere.
De eyn wip be ghat.
vñ mich nicht lat.
komen tzů eyner were.
Daz se mir wolde nahen.
Eyn cusselin.
vz ir munt ist phin.
den wolde ich wol vnt phahen.

Vil sůze vrucht.
wer daz din tzucht.
daz du mich vult vůr terben.
Uver gnade socht.
vñ der an dir rocht.
dem solt du selde erben.
Daz were an mime rate.
Daz du mīnen pant.
in sine hant.
ghebest vz dines hertzen grate.

Uvaz ich ye ghe sanc.
nie mir ghe lanc.
an diner hohē mīne.
Des lide ich not.
eyn irren tot
den ich da von ghe winne.
Imer (77vb) wil ich dich bitten.
Mir hilft keyn rat.
also iz mir nu stat.
in minem hertzen mitten.

X. De erde ist vnt slozen

De erde ist vnt slozen.
de blomen sint vnt sprozen.
der můghe wir nu nozen.
vnsen bosem vol als er.
De voghelin lute scryghē.
in velde vñ vph den tzuyghen.
seen achten keynes snyghen.
se sint eres selbes her
De culde ist vůr swnden
de meyien han wir wnden.
vrolich in meyien blůte.
winder dich vůr hůte.
der sūmer kumpt (78ra) tzů můte.

De blomen sint ghe wiret.
de crencelin ghe phiret.
we daz de vrowen ciret.
vph ir wilen inden phlan.
Ir wenghel sint ghe rōtet.
keghen den meyien vntblōtet.
sam eyn robin ghe glōtet.
here welk eyn richer van.
Dar vz so wirt ghe sticket.
vil sorghen se vnt zwicket.
Ghe eret wirt ir roter munt.
vph den phlane san tzůr stunt.
se sint ghe heyzen vroyden wunt.

Da wirt vil manich hertze.
vntzundet sam eyn kertze.
von grozer minne smertze.
owe minne dich vnt se.
Vvilt du dich sus beweren.
wer sol sich an dich keren.
kans du de vroyde speren.
vnt halt dich wes nicht tzů spe.
Laz diner mīnen deben.
tzů steter vroyde leben.
So ne bist du nicht alleyne.
sůze vrowe reyne.
mit truwen ich dich meyne.

XI. Uvol vph ir stolzen helde

Uvol vph ir stolzen helde.
nu komet vor mit melde.
drate vph de velde
nune rughet wer vch scelde.
sint detzit (78rb) ist wnninglich.
De boyme sint ghe cleydit.
den voghelin be reydit.
vil manighen tzuich se breydit.
se en růghet wer se veydit.
diz ghit in der meyien rich.
Nu tretet vph den angher vñ donet
mit den voghelin uweren nuwen sůzen sanc.
Mitten meyien durch de voghelin sconit uwer lip.
vñ durch reyne werde sůze wip.
Der mey hat vns ghe gheben
(78va) mit ym diz vrolich leben.
in eren můz wir streben.
vñ in vroyden sweben.
wer daz tů der habe danc.

Sint der meyie sich blůzet.
vñ inde voghelin grůzet.
dar tzů detzit vns sůzet.
der meyie vns kumber bůzet.
durch daz lobe wir sine blůt.
Hir tzů neme wir vrowen.
durch mīnīgliez scowen.
wer vns der meyie vůr houwen.
ir wnnengliez towen.
machet vns wol eyn nuwen gůt.
Nu habe wir beyde vrowen vñ den meyien
durch de sole wir vrolich leben mit scalle.
Tanzen springhen vroyde manigher leye vnt phahet.
dar tzů ir wip den mannen nahet.
Diz tůt mit meynem rate.
vz uwes hertzē grate.
komet dar in drate.
uwer keyn des nicht vůr spate.
ere vch der meyie vmphalle.

Ey wip we du mir laghest.
vil wol du mir be haghest.
mir vroyden bant du traghest.
wen daz du mich vůr iaghest.
mit owe ich diz melde.
Langhe han ich ghe sunghen.
vil din lob vor ghe (78vb) drunghen.
mirn ist nicht wol ghe lunghen.
daz miner lebender tzunghen.
von dir nicht wirt tzů gelde.
Vve hast du daz indime hertzen vrowe.
daz ich nicht von dir minne so ghe nezen mac.
Du bist miner vroyde bilde ich scowe. sůze dich
vor alle wip du vrowest mich.
Vvizlau der iūghe singhet.
diz liet sin vrowe ym bringhet
daz sin lip durch se ringhet.
we sere se en twinghet.
daz wirt noch sin vroyden tac.

XII. Meyie scone kum io tzů

Meyie scone kum io tzů
dune mochtest nicht tzů vrů
den luten.
De vrowen slezen ere cleyt.
daz ist mir von hertzen leyt.
se huten.
Al ir bestē wete de se trůghen.
Daz kans du meyie allenz wider vůghen.
Den mantel (79ra) slan se vm eren tůch.
winder daz ist vnghevůch
von culde.

Hulde swōr ich gerne di.
went din vroste sint vns bi.
daz laze.
Io ist daz din alte lach.
daz wir můzen vnder dach.
ich haze.
Al den sweren kūmer den du stichtest.
Mit eynen dinghen winder du mich swichtest.
Daz ist vroyden langhe nacht.
de dich hat tzůn hulden bracht.
daz halte.

Alten můst ich ymmer sin.
wen der lechten vrowē scin.
mich machet.
Vrolich vñ vroyden teyl.
des ghebe yn ghot ymmer heyl.
daz crachet.
Uven mich den ir edel name wecket.
Vñ alle mine lit tzůn vroyden strecket.
So růph ich denne roter munt.
heyl heyl heyl tzů aller stunt
mit ghote.

XIII. Der walt vñ angher lyt ghe breyt

Der walt vñ angher lyt ghe breyt.
mit wnnenrigher varwen cleyt.
reyt sin der sůzen voghelin (79rb) done.
Se ůben eren sůzē scal.
vrolichem hertzen ůber al.
mal ich des vinde an blomen scone.
Ho. vro. so. stet des meyien blůte.
ghůte. sůte ich merke vroyden vol
in angher vñ vph alben
wyt inthalben.

Andem angher vil wnnen lyt.
so iz ghot den planeten ghyt.
syt. wart vns wnnētoughen blicke.
Nu se sint sorghen leyt vůr trip.
ich meyne. reyne scone wip.
lip het ich nicht teten se dicke.
Uvan. san. han ich der vrowe mine.
schine. dine sůze an mir mīnen speghel
laz mich nicht vůr terben.
ich můz sterben.

Minne dir ghůte ist al so vil.
ich were tot ůber langhe (79va) wil.
spil. bist du an mir vrowe reyne.
Du bist demich so wol vůr mach.
tů mir vroyden trostlichen tac.
ac. so ist min sorghe an mir cleyne.
Snel. hel. ghel scrygh ich dinen namen.
samen. ramen. kan ich nicht mer
mines kummers leyt vůr trip.
wizlau diz scrip.

XIV. Uvol dan her meyie

Uvol dan her meyie ich ghebe vch des de hulde.
min vrowe tret da her in stolzer wete.
Ir smit ir cleyt ir lip daz lach in dulde.
de kalde sne vñ iz der wint daz tete.
Vnt slozen sint de scrin.
min vrowe machet sich phin.
Setrat hin dan
als ob se (79vb) spreche seth mich an.
ir meghede wip vñ man.

Min vrowe weyz daz ich lobe den meyie.
noch leber ist mich wenne ich von ir hōre.
Diz machet daz ir ghůte ist manigher leyie.
vnder tusent vrowen het ich ir kōre.
Min vrowe ist so scon.
daz vnder hymele tron.
Nie wart detat.
deghůte dese an ir hat.
lobet se daz ist min rat.

Seghe ich deghůten nach mime willen strenghet.
durch daz lez ich de vůnsche vore varen.
Vůrde min wille mit irme willen menghet.
an eynem bette vns tzů samende scaren.
Lichte iz al so gat.
daz se des nicht en lat.
Iz so na.
von ir wart mir eyn leplich ya.
daz vinde ich aber al da. a. a.

XV. De voghelin

De voghelin.
vntphat des lechten meyien scin
mit irn sůzen donen phin.
sint se wol ir kennet.
Der angher (80ra) lyt
blomen ghel rot vñ wyt.
manigherhande varwe syt.
loyp sint vz ghe rennet.
Uol komen ghůt.
lyt der angher vñ ir blůt.
daz iz den oughen senfte tůt.
mannen vñ den wiben.
Vvaz meyie vntluct.
rilich daz de sunne vph tzuct.
wol ym wer bi lebe vnt nuct.
der mac vro beliuen.

Nu nemet war.
manigher hande riche scar.
behort turney ophphen bar.
dar nach wil wir tanzen.
Sus hurtzet vort.
inden vroyden hyr vñ dort.
komet der sorghen vph eyn ort.
bi den wizen (80rb) swanzen.
Traghet hohen můt.
ymmer durch de vrowen gůt.
eyner de mich senfte tůt.
de mac mir wol lonen.
Leghe ob ir lůst.
vůrphe mich vph ere brůst.
daz da wōrde eyn minnen tzůst.
neyn se wil des sconen.

Noch lebe ich so.
daz ich durch se wese vro.
swere ghe můte traghe ich ho.
diz ist doch vil spilde.
Vil reyne vrucht.
nim mich tzů dir durch din tzucht.
lose mich von sorghen druft.
du bist mir ghar wilde.
Uver weyz detzit.
minne manighem toren ghit.
langhe han ich dir ghe bit.
lose mich gar snelle.
Dines sinnes loyph.
scurtze mich in minnen knoyph.
daz ich mich in eynē hoyph.
vph din hertze velle.

XVI. Loybere risen

Loybere risen.
von dem boymē hin tzů tal.
des stan blot ir este.
Blomen sich wisen.
daz se sint vůr torben al.
scone wast ir gleste
Sus twinghet deriphe.
manigher (80va) hande vůrtzel sal.
des bin ich ghar sere be trůbet.
Nu ich tzů griphe.
sint der winder ist so kal.
des wirt nuwe vroyde ghe ůbet.

Helphet mir scallen.
hundert tusent vroyden mer.
wen des meyien blůte kan bringhen.
Rosen de vallen.
an mir vrowen roter ler.
da von wil ich singhen.
Tuwinct mich de kulde.
al ir vůrtzel smaghes ger.
de sint an ir libe ghe strowet.
Vvorbe ich ir hulde.
so be drocht ich vroyden mer.
sus demīningliche mich vrowet.

XVII. Der herbest kumpt

(80vb) Der herbest kumpt vns riche nůch
mensche dir des selben růch
went iz kumpt in din ghe vůch
ganz mit albe talle.
Bier methe vñ der ghůte win.
rinder ghense veyz de swin.
diz můz al des menschen sin.
hůnre mit ghe scalle.
Vvaz vph erden waxen is.
mensche daz ist dir ghe wis.
vñ in waghe de vische.
Des mōghe wir vrolich leben han.
wem ghot hyr ...
(fehlendes Blatt)

Quelle: Bleck, Reinhard ”Untersuchungen zur sogenannten Spruchdichtung und zur Sprache des Fürsten Wizlaw III. von Rügen” GAG Folge 681, S. 62-78, Kümmerle Verlag Göppingen 2000, ISBN 3-87452-928-2
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieses Textes möchte ich mich beim Autor Herrn Dr. Bleck, bei Frau Kümmerle vom Kümmerle Verlag Göppingen und bei Herrn Prof. Dr. Müller †, Mitherausgeber der Göppinger Arbeiten zur Germanistik (
www.uni-salzburg.at/ger/ulrich.mueller), bedanken.

Ich wil singen
(früher Meister Friedrich von Sonnenburg (Spruch IV) zugeordnet, jedoch äußerst wahrscheinlich aus der Feder Wizlaws)

Ich wil singen
in der niuwen wîse ein liet
von dem, der mich gemachet hat,
der mak mir geben
unde nemen, swaz er wil.
Ich wil bringen,
dârzuo herze unt den sin ich riet,
daz al mîn heil an im bestât,
lîp, guot, muot, leben,
waz des ist, er mak vil
Wol mîn spil lezzen, daz ich ze rehte haben ...
(fehlendes Blatt)

I. Menschen kint, denket dâr an

Menschen kint, denket dâr an,
ob ich iu gerâten kan,
ez ist in der werlt wol schîn,
daz endes tak wil komen.
Ez ist in der werlt wol schîn,
daz kint trûwet niht dem vater sîn,
noch vater sîme kinde niht,
daz haben wir wol vernomen.
Nu tuot alsô,
daz ir sît vrô,
ob ich ez iuch verhêle,
daz ir ze stunt
niht sît gewunt
gar an iuwer sêle,
wenne ir den geist ûf geben,
und niht behalden müget daz leben,
daz ir denne keine nôt lîdet,
daz mach iuch vromen.

Ô Marîâ, dîn sueze vruht
enpfienk ein hôhe druht
von Gabrîêlis boteschaft,
sich, Âvê er dich nente.
Dîn kiusch’ edel dich betwank,
daz ûz dîme munde erklank:
“Gotes wille schê an mir.”
ze hant sich daz wort lente.
Dâr nâch wart schîn
ein kindelîn,
daz dû junk vrouwe bære,
nâch Gotes ê,
âne alle wê
und âne keine swære,
sô kwam zer werlt, maget, dîn kint;
durch uns wart er gekriuzeget sint:
durch uns verlôs er sîn leben,
diz was ein grôze rente.

Ich wânde, bûwen ûf eine stat,
diu wort teten mir hin ablât,
wande, ez was dâr grundelôs,
mîn hûs begunde vallen.
In der pütten ich belak:
wan er kwam, der ez al vermak,
er huob ez ûf mit sîner hant;
lûte begunde ich schallen,
Unt schrê alsô:
“alphâ unde ô,
dîn lop sî gevueret!
wan dîn list kan
in der luft hân,
daz ez niht enrueret
sêwe, noch der erden list;
dârümbe dû der wîse bist:
in dînen listen stêt ez al,
waz wir hier mügen kallen.”

Ze Rôme ein wunder list geschach:
ûz der erden ein viur ûf brach,
daz vast ûz der erde bran;
ir Got tete in daz kündik,
Swelich man mit ganzem willen sîn
mit vollen wâfen rîte dârin,
des viures maht wære den gelegen;
des wart dâ einer mündik.
Man liez in dâr
ein ganzez jâr
den willen sîn verbolgen;
wâr was sîn muot,
dâr stuont sîn huot,
maget, wîp muost’ im hein volgen.
dô daz jâr ein ende wan,
der ritter wart gewâfent sân:
hin hou er in, daz viur ûz lasch,
daz dâ was worden zündik.

Nu râte, ein wîser, waz diz sî:
ez wont uns algemeine bî,
und ist uns allen undertân,
doch ez ist unser hêre.
Ez ist grôz, wan ez uns wert,
und ist noch kleiner, den ein err,
unt tuot uns maniger hande walt
mit sîner tumben kêre.
Daz ist sô rîch,
niht sîn gelîch
weiz ich im lîbe,
dârzuo sô kluok,
mit sîner vouk,
trîbt ez man von wîbe;
vollenkomene maht ez hât,
unt gît ze allen dingen rât,
und ist tumber, wan ie iht wart;
nu râte dise lêre.

Ich wil biten in der zît,
daz dû dîne helfe wît
gegezzest, hêre, an mich ein teil,
Jêsus, dû wunderbære;
Sint ich âne dich nihtmak
geleben niemer guoten tak,
noch âne grôze helfe dîn;
lâ mich niht helfe lære.
Stæte des niht
dem riuvel iht,
daz er mich beschrenke;
wan er sô vil
der sünden spil
bueget mit sîner lenke;
dûne wellest mîn helfer sîn,
hêre, er ziuhet mich anders hin:
ervülle, hêre, mînen geist,
sint ich des an dir gere.

Dem künige Nabuchôdnosor
kwam an sîme troume vor,
wie er ein bilde vor im sach,
daz dûht’ im lank unt schœne.
Sîn hœhe unz an den himel drank,
daz houbet was im guldîn, blank,
die arme waren silberîn,
daz sprich' ich âne hœne.
Ime dûhte ân’ lust
erîn diu brust
was im al ze mâle;
der bûch köpferîn,
diu diech stâlîn
dûht’ im in dem twâle;
die vueze erdîn vor im schein:
dâ lief ûz dem berge ein stein,
der riep ez al ze mâle klein,
daz selbe bilde kœne.

Daz guldîn houbet zeiget, daz
diu werlt ziuhet sich nider baz,
nu ist sie worden silberîn;
dô stuont sie wol bî beiden.
Dâr nâch wart sie erîn gar,
nu ist sie worden kopfer var;
diz ist bî unsern zîten schîn,
daz klagen Kristen, heiden.
Dârnâch sie birt
îsen sie wirt,
ûf eine niuwe schande;
dârnâch erdîn
sie doch muoz sîn;
sus wirt sie manigerhande:
sô kumt Got, der grôze stein,
er rîpt den sünder erdenklein:
sô het' wir gerne wol getân,
sus muez’ wir von im scheiden.

“Mir geschiht niht wan mir schaffen ist,”
“ez muoz nu sîn,” disiu list
diu bringet manigen man dârzuo,
daz er sich selben triuget.
“Geschaffen” und “ez muoz doch sîn:”
hœret disiu tôrelîn,
wie sie liegent unt der werlt
diu wort, valsch von in vliuget.
Tuont sie ein leit,
sie sint geveit,
unt jent: “diz muoz sô wesen.”
des mak niht sîn,
nu merket mîn,
ezne wart nie gelesen
an worten, noch an buochen kraft.
wâr nement die tôren dîsen haft,
daz sie die liute triegent sus?
ir sin sie selbe an liuget.

 hêre Got, wie liebe ist mich,
wen ich an sih’ vil êren rîch
von Holstein einen hêrren wert,
den hân ich iu genennet.
Noch ensach ich nie den man,
der in des verwinnen kan,
daz er missetrête, sam ein hâr;
vrouw’ Êre in wol erkennet
An sîner jugent;
er hat die tugent
gar an sich gevazzet;
des ist er wîs,
unt hat den prîs;
dârümbe schande in hazzet.
man unde wîp sprechent im guot;
des hat er einen stæten muot:
des sî gelobet sîn bluende jugent;
ûf êren slâ er rennet.

II. Sage an, du bôser man

Sage an, du bôser man,
wes hazzestu
einen guoten lîp?
jô günde er dir êren wol,
bœse krankez herze!
Wolde er dir nâch gân,
sô daz er zû
dir pflihte âne kîp,
sô wær’ wir ein: des mak niht sîn,
diz ist dir ein smerze.
Blîp, sô dû bist,
unt habe dir daz ze buoze,
daz dû den guoten niht irrest,
dâmit er êren müge ervolgen.
sich, nu enstate des niht dîn unmuoze:
durch daz sît ir zweier sinne,
daz machet dîn schalkheit ist verbolgen.
nu habe dir, biderbe, guot
guetlîch leben,
der schalk schalkheit vil.
mit dem guoten wil
ich ez hân: schalk, dir ist bôsheit geben.

Disiu heilige zît
diu twinget mich,
daz ich singen muoz
von dem, der mich gemachet hat,
schepfer aller dinge,
Hilf, daz ich werde kwît
der sünden rîch
und ir werde buoz,
die ich lange hân getragen,
mache mir die ringe.
Mînen lîp hastu gemachet brœde;
diz bedenke, edler hêre,
halde mich ze dîme willen vaste;
al bin ich an dîme rîche snœde:
bedenke Wizlâv! dîn wîsheit
mache in niht ze elendem gaste:
du hast mich tiure kouft
mit dînem bluote.
vrouwe, reine meit,
bitens wis bereit
gegen dîn kint, daz ez sî mîn huote!

III. Ich partêre dich durch mîne vrouwen

Ich partêre dich durch mîne vrouwen,
diu dich lieplîch sach vor mînen ougen.
Herze trûte sich mîn ein par vrouwe
z’aller guete schînbâr untougen.
Wer mak vergueten dîne guete,
wan Got? der guote dich behuete;
des bedarf ich wol, sol ich mich nern
vor dîner minne, des mak ich swern.

IV. Der Ungelârte hat gemachet eine senende wîse

Der Ungelârte hat gemachet
eine senende wîse,
dâvon lîde ich grôze nôt,
er ich dârnach singe
sô getân ein dône,
Ez ist sô harte,
daz ich an mînem sange prîse;
sint ich ez bî mînen zîten
nie hân gehôrt,
durch daz dunket ez mich schône,
Nu volge im
durch daz er mich hat gebraht in diu leide,
durch daz ich mannen unt den wîben
muoz mit pîn underscheide
machen eine senende hiure,
daz diu wære schœne unt tiure;
sô wolde ich sprechen:
nu hat gegangen mîner künsten rûte:
kinder alle, ich sage iu,
daz hie ist diser senenden klage sueze lûte.

V. Nâch der senenden klage muoz ich singen

Nâch der senenden klage muoz ich singen,
kunde mir selben bringen
vröude, nâch dem willen mîn,
Daz ich möhte leben âne swære,
sô wære ich vröudenbære,
hôhes muotes wolde ich sîn;
Sô verwünne ich alle senende wîse,
daz ich wol ze prîse
immer an daz alter vrôlîch grîse,
sunder allen pîn.

In hôher wirde ein lieplîch âventiure
tuot mir diu minne hiure,
wen ich denke ir wirdikeit;
Wie nâch wunsche wolgetân ein bilde
vor mînen ougen spilde,
diu mich an daz herze sneit,
Mit gewalde, klâr alsô diu sunne:
waz ist bezzer wunne?
wen sie mit ir schœne twingen kunne,
diu die liebe treit.

Sie schôz mich durch diu ougen in daz herze,
enzündet, sam ein kerze,
weldiklîchen zuo gevlogen,
Sus beroubet sie mich mîner sinne,
diu minniklîche minne;
sêht, wie sie hat mich betrogen!
Wen diu liebelîche wâge stellet
und in minne sellet,
sô der herze liebe wol gevellet,
liep durch liep gezogen.

VI. Manik schimpfet ûf sîn eigen zil

Manik schimpfet ûf sîn eigen zil,
der niht rehte wizzen wil,
waz im vernet oder nâhet.
Er siht schanden vil ûf einen man,
der selben nie êren wan;
sêre mich daz versmâhet.
Sîn schimpflîch wort
diu sint gehôrt,
ûz sînem munde ergangen,
durch sînen haz;
er liez’ ez baz;
ich glîch’ in eiterslangen:
hêrre Got, gip dem verschamten man
wîbe vluoch, der manne ban,
der nâch der schalkheit gâhet.

VII. Lîstu in der minne drô

(fehlendes Blatt)
...
Lîstu in der minne drô;
ich sîch den liehten morgen vrô:
diu vogelîn singent den tak, er sit hô.

Der ritter hôrt’ den wehter,
er wekte sîne brût:
“Liep, morgen kom ich ehter;
jô bistu lieb, mîn trût.”
Sie want’ in ir arme blank
den ritter, mit sorgen sie rank:
er trûte sie, des sagt’ sie im dâ dank.

Sich huop dâr ein leit scheiden,
dâ wart weinen sô grôz;
Er swuor bî tiuren eiden:
“ich tuo dich sorgen blôz.”
Dennoch weinete daz wîp,
sie sprach zuo z’im: “geselle, nu blîp.”
er jach: “ich wil ze dir âne kîp.”

VIII. Ich warne dich, vil junger man gezarte

Ich warne dich, vil junger man gezarte,
halt milden muot,
Waz dir dâvon heiles geschiht, nu warte,
daz dû bist guot.
Dem valschen râte dû entwîche:
die heiligen enpfân dich algelîche,
dîn schœne sêle in Gotes hôhe rîche.

IX. Owê! Ich hân gedaht

Owê! ich hân gedaht
al disen naht
an mîne grôzen swære,
Die ein wîp begât,
und mich niht lât
komen z’ einer wære,
Daz sie mir wolde nâhen:
ein küsselîn
ûz ir munt ist fîn,
den wolde ich wol enpfâhen.

Vil sueze vruht,
wær’ daz dîn zuht,
daz dû mich wilt verderben?
Wer gnâde suocht,
der an dir ruocht,
dem soldu sælde erben.
Daz wære an mîme râte,
daz dû minnen pfant
in sîne hant
gebest ûz dînes herzen grâte.

Swaz ich ie gesank,
nie mir gelank
an dîner hôhen minne;
Des lîde ich nôt,
einen irren tôt,
den ich dâvon gewinne.
Immer wil ich dich bitten:
mir hilft kein rât,
alsô ez mir nu stât
in mînem herzen mitten.

X. Diu erde ist entslozzen

Diu erde ist entslozzen,
die bluomen sint entsprozzen,
der müge wir nu nozzen
unsern buosen vol, als êr.
Diu vogelîn lûte schrîen,
in velde und ûf den zwîen,
sie enahten keines snîen;
sie sint irer selber hêr.
Diu kulde ist verswunden,
den meien hân wir vunden
vrôlîch in meien bluote;
winder, dich verhuote,
der sumer kumt ze muote.

Die bluomen sint gewieret,
diu krenzelîn gepfieret,
wie daz die vrouwen zieret,
ûf ir wîlen in dem plân!
Ir wengel sint gerœtet,
gegen den meijen entblœtet,
sam ein rubîn gelœtet:
hêre, welch ein rîcher van
Dârûz sô wirt gestikket!
vil sorgen sie enzwikket;
gehêret wirt ir rôter munt,
ûf dem plâne sân zer stunt:
sie sint geheizen vröuden vunt.

Dâ wirt vil manik herze
enzündet, sam ein kerze,
von grôzer minne smerze:
owê, minne, dich entsê!
Wiltu dich sus bewêren,
wer sol sich an dich keren,
kanstu die vröude speren?
enthalt dich, wis niht ze spê.
Lâz dîner minnen deben
ze stæter vröude leben,
sone bistu niht aleine:
sueze vrouwe, reine,
mit triuwen ich dich meine.

XI. Wol ûf, ir stolzen helde

Wol ûf, ir stolzen helde,
nu komet vor mit melde
drâte ûf diu velde,
nune ruochet, wer iuch schelde,
sint diu zît ist wunniklîch.
Die böume sint gekleidet,
den vogelîn bereidet,
vil manigen zwîk sie breidet,
sie enruochet, wer sie veidet:
diz gît in der meijen rîch.
Nu tretet ûf den anger, unde dônet
mit den vogelîn iuwern niuwen suezen sank;
mitten meijen durch diu vogelîn schœnet iuwern lîp,
unt durch reiniu, werdiu, sueziu wîp.
der mei hat uns gegeben
mit im diz vrôlîch leben;
in êren muez’ wir streben,
und in vröuden sweben:
wer daz tuo, der habe dank!

Sint der meije sich bluezet,
unde in diu vogelîn gruezet,
dârzuo diu zît uns suezet,
der meie uns kumber buezet,
durch daz loben wir sîne bluot.
Hierzuo nemen wir vrouwen,
durch minniklîchez schouwen;
wær’ uns der meije verhouwen,
ir wunniklîchez touwen
machet’ uns wol ein niuwen muot.
Nu haben wir, beide, vrouwen unt den meijen,
durch die sül wir vrôlîch leben mit schalle,
tanzen, springen, vröude maniger leien enpfâhet,
dârzuo, ir wîp, den mannen nâhet.
diz tuot mit mînem râte;
ûz iuwers herzen grâte,
komet dârin drâte.
iuwer kein des niht verspâte,
êr iuch der meije enpfalle.

Ei, wîp, wie dû mir lâgest!
vil wol dû mir behagest,
mir vröuden bant dû tragest,
wan daz dû mich verjagest;
mit owê ich diz melde.
Lange hân ich gesungen,
vil dîn lop vor gedrungen:
mirn’ ist niht wol gelungen,
daz mîner lobender zungen
von dir niht wirt ze gelde.
Wie hastu daz in dîme herzen, vrouwe,
daz ich niht von dîner minne sô genesen mak?
dû bist mîner vröude bilde, ich schouwe, sueze, dich,
vür alle wîp dû vröuwest mich.
Wizlâv der junge singet
diz liet; sîn vrouwe im bringet,
daz sîn lîp durch sie ringet:
swie sêre sie in twinget,
daz wirt noch sîn vröudentak.

XII. Meije schœne, kum jô zuo

Meije schœne, kum jô zuo,
dûne möhtest niht ze vruo
den liuten.
Die vrouwen sliezen iriu kleit;
daz ist mir von herzen leit;
sie hueten
Al ir besten wæte, die sie truogen:
daz kanstu, meije, allez wider vuogen.
den mantel slân sie umb iren tuoch:
winder, daz ist ungevuoch
von kulde.

Hulde swuer’ ich gerne dî,
wan dîn vroste sint uns bî;
daz lâze.
Jô ist daz dîn alte lach,
daz wir muezen under dach.
ich hâze
Al den swæren kumber, den dû stiftest;
mit einen dingen, winder, dû mich swiftest:
daz ist vröudenlangiu naht,
diu dich hat ze hulden bracht:
daz halte.

Alte muest’ ich iemer sîn,
wan der liehten vrouwen schîn
mich machet
Vrôlîch unde vröuden geil.
des gebe in Got iemer heil,
daz krachet.
Wen mich den ir edel name wekket,
und alliu mîniu lit zen vröuden strekket,
sô ruof’ ich denne: ”rôter munt,
heil, heil, heil zû aller stunt,
mit Gote!”

XIII. Der walt unde anger lît gebreit

Der walt unde anger lît gebreit
mit wunnenrîcher varwen kleit,
reit sint der suezen vogelîn dœne;
Sie ueben iren suezen schal
vrôlîchem herzen überal;
mâl ich des vinde an bluomen schœne.
Hô, vrô sô stêt des meijen bluete;
guete, suete, ich merke vröuden vol
in anger unde ûf alben
wîtenthalben.

An dem anger vil wunnen lît;
sô ez Got den planêten gît,
sît wart uns wunnentougen blikke.
Nu sie sint sorgen leitvertrîp,
ich meine reine schœne wîp;
lîp het’ ich niht enræten sie dikke.
Wân sân hân ich der vrouwen mîne:
schîne dîne sueze an mir, minnenspiegel,
lâz mich niht verderben,
ich muoz sterben.

Minne, dînr guete ist alsô vil,
ich wære tôt über lange wîl’,
spil bistu an mir, vrouwe reine.
Du bist, dem ich sô wol vermach,
tuo mir vröuden trostlîchen tach,
ach, sô ist mîn sorge an mir kleine.
Snel, hel gel, schrîj’ ich dînen namen;
samen râmen kan ich niht mêr
mînes kumbers leitvertrîp:
Wizlâv, diz schrîp.

XIV. Wol dan, hêr Meije

Wol dan, hêr Meije, ich gibe iuch des die hulde,
mîn vrouwe trit dâher in stolzer wæte;
Ir gesmîd’, ir kleit, ir lîp, daz lâg in dulde;
der kalde snê und îs, der wint daz tæte:
Entflozzen sint diu schrîn,
mîn vrouwe machet’ sich fîn
sie trat hindan,
als ob sie spræche: “sêt mich an,
ir megede, wîp und man.”

Mîn vrouwe weiz, daz ich lobe den meien:
noch lieber ist mir, wenne ich von ir hœre.
Diz machet, daz ir guete ist manigerleien;
under tûsent vrouwen hete ich ir kœre.
Mîn vrouwe ist sô schôn,
daz under himele trôn
nie wart diu tât,
diu guete, die sie an ir hât:
lobet sie, daz ist mîn rât.

Sæhe ich die guoten nâch mîme willen gestrenget,
durch daz liez’ ich minne wünsche vore varen,
würde mîn wille mit irme willen gemenget,
an einem bette uns zesamene scharen.
Lîhte ez alsô gât,
daz sie des niht enlât,
ez si sô nâ.
von ir wart mir ein lieplîch jâ:
daz vinde ich aber aldâ, â! â!

XV. Diu vogelîn

Diu vogelîn
enpfânt des liehten meijen schîn,
mit irn suezen dœnen fîn
sint sie wol erkennet.
Der anger lît
bluomen, gel, rôt unde wît,
manigerhande varwe sît
loup sint ûz gerennet.
Volkomen guot
lît der anger und ir bluot,
daz ez den ougen senfte tuot,
mannen unt den wîben.
waz meije entlükt,
rîlîch daz diu sunne ûf zükt:
wol im, wer bî liebe entnükt!
der mak vrô belîben.

Nu nemet war,
manigerhande rîche schar,
bûhurt, turnei offenbâr,
dârnâch wel wir tanzen.
Sus hurtet vort
in den vröuden, hier unt dort,
komet der sorgen ûf ein ort,
bî den wîzen swanzen.
Traget hôhen muot
immer durch die vrouwen guot,
einer, diu mir senfte tuot,
diu mak mir wol lônen,
lêge, ob ir lust,
würfe mich ûf ir brust,
daz dâ würde ein minnen just:
nein, sie wil des schônen.

Noch lebe ich sô,
daz ich durch sie wese vrô,
swære gemuete trage ich hô;
diz ist doch vil spilde.
Vil reine vruht,
nim mich zuo dir, durch dîn zuht,
lœse mich von sorgen druht;
dû bist mir gar wilde.
Wer weiz diu zît
minne manigen tôren gît;
lange hân ich dir gebît:
lœse mich gar snelle,
dînes sinnes louf
stürze mich in minnen knouf,
daz ich mich in einen houf
ûf dîn herze velle.

XVI. Löubere rîsen

Löubere rîsen
von den böumen hin ze tal;
des stân blôz ir este.
Bluomen sich wîsen,
daz sie sint verdorben al
schône was ir gleste.
Sus twinget der rîfe
manigerhande wurzel sal;
des bin ich gar sêre betruebet:
nu ich zuo grîfe,
sint der winder ist sô kal,
des wirt niuwe vröude geuebet.

Helfet mir schallen
hunderttûsent vröuden mêr,
wan des meijen bluete kan bringen,
Rôsen die vallen
an mîner vrouwen rôter lêr,
dâvon wil ich singen.
Twingt mich diu kulde,
aller wurzel smakkes gêr
die sint an ir lîbe geströuwet;
würbe ich ir hulde,
son’ bedörft’ ich vröuden mêr:
sus diu minniklîche mich vröuwet.

XVII. Der herbest kumt

Der herbest kumt uns rîche nuoch,
mensche, dir des selben ruoch’,
wan ez kumt in dîn gevuoch
ganz mit al betalle.
Bier, mete unt der guote wîn,
rinder, gense, veizte swîn,
diz muoz al des menschen sîn,
huenre mit geschalle.
Waz ûf erden wahsen is,
mensche, daz ist dir gewis,
und in wâge die vische;
des müge wir vrôlîch leben hân.
wem Got hîr ...
(fehlendes Blatt)

Quelle: Hagen, Friedrich Heinrich v. d. ”Minnesinger, Deutsche Liederdichter des 12., 13. und 14. Jahrhunderts I - IV”, S. 78-85, Leipzig 1838

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