Wappen der 'verbürgerlichten' Wizlawiden
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7. Kapitel

Die Gardvogteien Tribuzes/Tribsees, Grimîn/Grimmen und Losice/Loitz und das Kloster Neuenkamp

Die Dorfkirche von Starkow
Die Dorfkirche von Tribohm

Dieses Bild zeigt euch die Dorfkirche von Starkow, die eine der ältesten im festländischen Teil des Fürstentums Rügen war. Im Vordergrund fließt die Barthe / Bârdeka, die auch dem slawischen Land und der Stadt Barth den Namen gab. 1242 verkauft Fürst Wizlaw I. dem Magister Ivan die Dörfer Starkow / Starkove (= “alter Ort”), Redebas / Ratiburice (= “Leute eines Ratibur”), Karnin / Karnîn (= “strafender, d.h. unwirtlicher Ort”) und Velgast / Velegašt (Vilegust) (= “großer Hain”) und leiht ihm die Güter zu Erb- und Lehnrecht einschließlich dem Patronat der zu erbauenden Kirche. Magister Ivan begründete das ranische Adelsgeschlecht derer von Starkow, die oft auch Ämter am Fürstenhof ausübten.

Noch älter als die Dorfkirche von Starkow sind die Kirchen von Tribohm / Tribûn (1210 - 1215 als Feldsteinkirche gebaut, Bild links) und Semlow / Semelove (um 1200 ebenfalls als Feldsteinbau mit Backsteinanteilen errichtet). Diese Orte enthalten in ihren Namen slawische Zahlwörter: tri = drei und sem = sieben. Worauf sich aber die Zahlen beziehen, ist noch nicht geklärt. Jedenfalls liegen beide Dörfer in einem der slawischen Siedlungsgürtel des Festlands, dem Recknitzufer. Hier finden sich wieder verstärkt slawische Namen für Landschaften und Orte, die vom mit den Ranen verwandten Lutizenstamm der Kessiner bewohnt waren.

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Gardvogteien Saal, Barth und Tribsees (Nord)

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Gardvogteien Tribsees (Süd) und Grimmen, Kloster Neuenkamp

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Gardvogteien Prohn (Süd), Gristow und Loitz

Diese naive Zeichnung befindet sich in der Dorfkirche von Velgast und wird auf den Anfang des 15. Jahrhunderts datiert. Auch wenn die slawische Sprache zu diesem Zeitpunkt bereits erloschen war, so könnte das Bild doch zwei Menschen ranischer Herkunft an einem (Mess-)Weinfass zeigen. Das Paar ist mit den für das 14. und 15. Jahrhundert typischen Gewändern bekleidet. Die Frau trägt ein langes weinrotes Kleid. Nicht genau erkennbar ist, ob es sich um langes blondes Haar handelt oder ob damit ein Schleiertuch angedeutet werden soll. Der Mann ist mit einer eng anliegenden Schecke mit breitem Gürtel, Beinlingen und einer Gugel (Kapuze mit Kragen und einem langen Zipfel) bekleidet. Beide haben zudem Schnabelschuhe mit langen Spitzen angezogen.

Bild eines ranischen Paares in der Kirche zu Velgast
Die Dorfkirche von Velgast

Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich bei Frau Pastorin Tuve bedanken.
www.kirche-mv.de > Suche nach “Velgast”

Links seht ihr die Christuskirche zu Velgast. Sie entstammt zwar nicht dem Zeitraum, dem meine Website gewidmet ist, sondern dem Ende des 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts. Da sie aber mehrere Details besitzt, die für die Slawenzeit interessant sind, möchte ich auch ein Bild der Kirche zeigen. Denn neben dem oben beschriebenen Wandgemälde gibt es in ihr zwei Konsolsteine des Kreuzrippengewölbes, die ebenfalls einen rujanischen Bezug haben könnten. Diese Steine sind auf der Seite über die sechste Generation der Wizlawiden abgebildet und könnten die Prinzessin Euphemia und den Prinzen Jaromar darstellen.

Velgast, das slawische Velegašt, war im Fürstentum Rügen Teil des bedeutenden ranischen Siedlungszentrums Barth, gehörte aber wohl zur Gardvogtei Tribsees. Der Name wird von “großer Hain” (velki gašt) hergeleitet. Vielleicht hatte es in vorchristlicher Zeit in der Nähe einen “heiligen Hain” zur Verehrung von heidnischen Göttern gegeben?

Zwischen den slawischen Siedlungskernen um Barth und am Strelasund einerseits und denen im Recknitz-, Trebel-, Peene- und Rycktal andererseits zieht sich ein etwa halbkreisförmiger Streifen mit Orten hin, die auf “-hagen”, “-horst”, “-dorf” oder ähnlich enden. Es ist jenes Gebiet, das vor Ankunft der niederdeutschen und flämischen Siedler größtenteils Wald war. Reste dieser Waldgebiete sind auch heute noch vorhanden. Die neuen Dörfer entstanden also hauptsächlich durch Rodung, damals hieß das “aus wilder Wurzel”. Übrigens waren an der Urbarmachung dieses Landstrichs auch Ranen und andere Lutizen beteiligt, die sich ebenfalls in den neu angelegten Orten niederließen.
Rechts seht ihr das älteste Stadtsiegel von Tribsees / Tribuzeš. Der blaue Löwe auf der goldener Fahne über dem Bergfried symbolisiert die dänische Lehnshoheit. Eine Burg der Rügenfürsten im sumpfigen Grenzgebiet zu Mecklenburg war der Ausgangspunkt für die planmäßige Anlage der erstmals 1245 bezeugten Gemeinde, deren senatores und consules 1267 beurkundet sind. Wizlaw II. bestätigte das lübische Stadtrecht 1285. Das “Land Tribuses” ist jedoch schon seit der vorchristlichen Zeit bezeugt. Der Name kommt entweder von “trebez” (Rodung) oder von “tri boz” (drei Fliederbüsche).
Vielen Dank an Herrn Thomas Molkentin für die wertvollen Hinweise zu Tribsees.

Siegel der Stadt Tribsees

Sicherlich verlief das Zusammenleben von Rügenslawen und Deutschen nicht immer nur friedlich und freundschaftlich. Vorkommende Konflikte sind hierbei, wie bei jedem Zusammenleben, durchaus nichts Ungewöhnliches gewesen. Entscheidend ist aber, wie man diese Konflikte gelöst hatte. 1221 wurde in einer Urkunde Wizlaws I. ein derartiger Konflikt angesprochen: Ein Teil der Slawen aus der Umgebung von Tribsees wich bei Ankunft der Neusiedler offensichtlich in östlich von Tribsees gelegene Gegenden aus. Danach bewirtschafteten die Deutschen deren Äcker weiter. Ein anderer, vermutlich der größere Teil der Altsiedler blieb aber und lebte mit den Neulingen zusammen. Die Abgabe an den Bischof von Schwerin erfolgte so, wie es jede der Nationalitäten gewohnt war: Die Deutschen entrichteten den (höheren) Zehnt und die Slawen den althergebrachten (etwas niedrigeren) Zins “biskopinža” (den Bischofsroggen). Zum Schluss sprach Wizlaw den Wunsch aus, dass das Zusammenleben weiter friedlich erfolgen soll und die weggezogenen Slawen in ihrer neuen Heimat bleiben und keine Rache üben sollten.
Niemand kennt heute mehr den genauen Anlass für diesen Konflikt sowie das konkrete Verhalten der involvierten Personen und weiß, wer die Schuld an dessen Zuspitzung trug. Trotzdem wird diese eine Urkunde in letzter Zeit relativ häufig - und das nicht nur bei konservativen Historikern - zitiert, so als ob sie die typische Situation zwischen den Nationalitäten erfassen würde. Dabei werden leider die vielen anderen Dokumente und Hinweise vernachlässigt, die das Bild eines friedlichen, ja freundschaftlichen und gleichberechtigten Zusammenlebens beschreiben.

Wappen der Stadt Grimmen

Das 1304 erstmals belegte Stadtsiegel von Grimmen stellt eine Kombination aus beiden Rügenwappen (Greif und Stufengiebel) dar und wurde im Laufe der Zeit mehrfach verändert: Einst enthielt es in drei Lagen neun Steine und zusätzlich eine Mondsichel, später galt diese Form mit sieben Steinen im Wendischen Mauerverband. Nun sind es zehn Steine in vier Lagen.

Grimmen / Grimîn kann auf eine ähnliche Geschichte wie Tribsees zurückblicken. Es liegt ebenfalls in der sumpfigen Trebelniederung, was sogar im Stadtnamen zum Ausdruck kommt: “grim” heißt nichts anderes als “sumpfig”. Eine zweite Deutung besagt, dass sich der Name vom Ranenfürsten Grimmus herleitet, denn Grimmen entstand wie Tribsees im Zeitraum 1267 - 1287 neben einer eventuell schon länger bestehenden Burg der Fürsten. Auf jeden Fall wurde sie spätestens zu dieser Zeit in die markante Form des noch sichtbaren Burghügels am Ostende der Altstadt umgebaut. Auf diesem Hügel, genannt “Schlossberg”, befindet sich heute ein restaurierter ehemaliger Wasserturm mit einer kleinen Ausstellung zu Geschichte und Archäologie dieser Burg (Foto unten). Unter anderem wird ein dort gefundener kleiner Spielwürfel aus Knochen gezeigt (aus dem 14. Jahrhundert). 1306 wurde die Turmhügelburg, bestehend aus zwei Gebäuden, dem “Fürstlichen Haus” oder “Ritterhaus” und dem eigentlichen Wehrturm, erstmals erwähnt. Es war der befestigte Hof des Rügenfürsten, auf dem auch der Gardvogt seinen Sitz hatte. Der erste namentlich bekannte Vogt hieß Berthold (1287). Den Typ “Turmhügel” brachten eingewanderte deutsche Ritter in ihre neue Heimat mit. Bald darauf wurde er auch von den Ranenfürsten und den alteingesessenen slawischen Rittern zur Modernisierung der Verteidigungsanlagen des Landes übernommen und ist hauptsächlich im festländischen Teil des Fürstentums Rügen verbreitet, in dem es bedeutend weniger alte Slawenburgen gab.
Grimmen wurde 1267 erstmals urkundlich erwähnt und hatte vor 1287 von Wizlaw II. lübisches Stadtrecht erhalten. Die eigentliche Urkunde der Stadtrechtsverleihung ist verschollen. 1305 wird Grimmen jedoch als Stadt erwähnt: In einer Urkunde Wizlaws III., in der er seiner Frau Margarete die Städte und Länder Tribsees und Grimmen bei seinem unbeerbten Todesfall verschreibt, bei einem Erben aber nur Grimmen mit 800 Hufen als Leibgedinge.

Mühlentor (Tribseeser Tor) in Grimmen

Hier seht ihr das Mühlentor (oder Tribseeser Tor) der Stadtbefestigung von Grimmen, dem Hauptort der Tribsees benachbarten Gardvogtei. Die Stadtmauer entstand während des Rügenschen Erbfolgekrieges im 14. Jahrhundert. In dem Fachwerkbau neben dem Tor befindet sich das Heimatmuseum mit einer interessanten Ausstellung auch zur mittelalterlichen Geschichte.

Schlossberg (ehemalige Gardvogteiburg) in Grimmen

Das ehemalige Kloster Neuenkamp in der heutigen Stadt Franzburg

südlicher Querschiffsarm der Klosterkirche Neuenkamp, heute Pfarrkirche

Jetzt kommen wir zu einer für die Geschichte des Fürstentums Rügen sehr wichtigen Stätte, dem Zisterzienserkloster Neuenkamp. Anfang des 13. Jahrhunderts ließen sich Zisterziensermönche aus dem Mutterkloster Altkamp am Niederrhein in diesem fast menschenleeren Landstrich im Schnittpunkt der Linien Tribsees - Stralsund und Grimmen - Velgast nieder. Es war einst ein riesiges Waldgebiet, das erst gerodet und urbar gemacht werden musste.

Pfarrkirche der Stadt Franzburg mit neuem Dach

Der Klosterbau ist nur noch zu einem kleinen Teil erhalten geblieben. Nach der Reformation wurde der größte Teil abgetragen und zum Bau der neuen Stadt Franzburg verwendet. Übrig blieb nur noch der südliche Querschiffsarm der Klosterkirche, der heute - mit einem in späterer Zeit aufgesetzten neuen Dach mit markanten Giebeln - die Pfarrkirche von Franzburg ist. Das Dach wurde in jüngster Zeit neu gedeckt, wie auf dem großen Bild zu sehen ist, das mir dankenswerterweise Herr Pastor Prüfer zur Verfügung gestellt hat. Auch erstrahlt der Innenraum der Kirche hell in einem neuen Anstrich, und durch Befundfenster ist an mehreren Stellen die freigelegte Bausubstanz der mittelalterlichen Klosterkirche sichtbar gemacht worden.

Grundriss der Klosterkirche Neuenkamp (um 1288)

Diese Bronzetafel an der Pforte der Franzburger Pfarrkirche zeigt den Grundriss der Klosterkirche von Neuenkamp aus der Zeit um 1288. Gut sichtbar sind die mächtigen Pfeiler der Vierung. Überlagert ist der Plan mit dem Grundriss der heutigen Kirche (blanke Bronze). Sie wurde aus dem südlichen Querschiffsarm der Klosterkirche errichtet. Der Plan ist jedoch in Blickrichtung angebracht, sodass hier Süden oben ist. Die vermutete Stelle der Grablege Wizlaws III., die auf dem Foto weiter unten im Text gezeigt wird, befände sich nach diesem Plan in der Nordostecke des Chors der alten Kirche.

Der Abt des Klosters Neuenkamp, dessen Siegel ihr rechts neben diesem Text seht, hatte zur Zeit des Fürstentums Rügen eine einflussreiche Stellung inne. Er erscheint oft in Urkunden und war vermutlich auch Berater der Fürsten. Die Zisterziensermönche hatte auch eine eigene Niederlassung in der aufblühenden Handelsstadt Stralsund, den Kampischen Hof unweit des Kütertors. Über Auseinandersetzungen zwischen der weltlichen und der geistlichen Macht, wie in Dänemark, dem Römisch-deutschen Reich und vielen anderen Ländern, ist im 13. und 14. Jahrhundert aus Rügen nichts überliefert. Im Gegenteil, die Fürsten scheinen das Kloster sehr gefördert zu haben, was sicher auch damit zusammenhing, dass sie dieses zu ihrer Grablege auserwählt hatten und so ihr eigenes Seelenheil retten wollten.
Über den Gründungsakt dieses Klosters heißt es: “1231 übergibt Wizlaw I. dem Abt Arnold zu Kampen den Platz zur Erbauung einer Rosengarten zu nennenden Abtei des Zisterzienserordens, gibt ihr die Freiheit, Leute jeder Nation und jedes Handwerks nach ihren Gütern zu ziehen.” Schon allein an diesem Text wird deutlich, dass auch auf dem Klostergut, das die Ausmaße einer der größeren Gardvogteien hatte, Menschen der verschiedenen Nationalitäten willkommen waren. Gleiches haben wir auch schon in der Urkunde Jaromars I. für das Kloster Hilda (Eldena bei Greifswald) aus dem Jahr 1209 gelesen, in der dieser von Dänen, Deutschen und “Menschen meiner Zunge” (Slawen) sprach. Einer der ersten Orte, die um 1231 gegründet und dem Kloster geschenkt wurden, war Richtenberg / Rikebreg (= “Flussufer”, gemeint ist das Ufer des Richtenberger Sees). 1297 wird der Nachbarort Neuenkamps bereits als Stadt erwähnt. Das Credo der Zisterzienserbrüder lautete “ora et labora”, also “bete und arbeite”. Sie waren also selbst landwirtschaftlich tätig. Der strenge Zeitplan und die asketische Lebensweise der Mönche mag uns Heutigen etwas gruseln, so gingen sie z.B. täglich 3 Uhr früh zum ersten Gebet.

Siegel des Abtes von Neuenkamp
möglicher Ort der Grablege der Rügenfürsten

Weiter oben schrieb ich bereits, dass die Fürsten von Rügen das Kloster Neuenkamp zu ihrer Begräbnisstätte bestimmt hatten. Nachweislich bestattet wurden dort der Klostergründer Wizlaw I. selbst - aber nach neuesten Erkenntnissen nicht hier, sondern östlich bei Neubauhof, dem ersten Klosterstandort. Seine Nachfahren Sambor (1304) und Wizlaw III. (1325) wurden jedoch hier bestattet, nachdem das Kloster um 1300 hierhin verlegt wurde. Die Grablege ist leider nicht mehr nachweisbar, muss sich aber außerhalb der heutigen Pfarrkirche befunden haben. Wahrscheinlich ist es die Stelle, an der im Bild links einige Mitglieder des Musiktheaters Dingo stehen, als sie 2003 bei der Anreise nach Rügen hier Station machten.
Meine Vermutung, dass eine hinter dem Altar eingelassene große, aber äußerst unkenntlich gemachte Grabplatte den letzten Rügenfürsten und Minnesänger Wizlaw III. und seine beiden Kinder Jaromar und Euphemia darstellen könnte, hat sich leider nicht bestätigt. Erste Untersuchungen eines Spezialisten deuten auf die Darstellung eines Abtes.

Natürlich hätte ich mich sehr gefreut, wenn Franzburg der erste Ort geworden wäre, an dem man Wizlaw auch unmittelbar hätte gedenken können. So bleibt uns vorerst weiterhin nichts Direktes von ihm, ebenso wenig wie von seinen Vorfahren und seinen Kindern. Ganz im Gegensatz zu den slawischen Fürsten Mecklenburgs oder der großen Gegenspielerin von Jaromar II., der dänischen Königswitwe Margarete Sambiria, die alle eine würdige Grabstätte im Doberaner Münster gefunden haben. Wenigstens eine virtuelle Möglichkeit Wizlaw zu gedenken, möchte ich euch hier bieten.
Unter diesem Text seht ihr Fotos der Grabplatte, links mit Blickrichtung vom Kopf zu den Füßen und daneben umgekehrt. Durch das kleine Glasfenster rechts neben der Grabplatte ist ein Teil der ursprünglichen Bausubstanz der Klosterkirche sichtbar.

Grabplatte (Blick von oben) Grabplatte (Blick von unten)

Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung der Abbildungen möchte ich mich bei Herrn Pastor Prüfer bedanken.
www.kirche-mv.de > Suche nach “Franzburg”

Außer dem schon erwähnten Land Wusterhusen gab es noch weitere Gebiete, die zwischenzeitlich zum Fürstentum Rügen gehörten. Da wären zuerst verschiedene Höfe der Fürsten in Dänemark zu nennen, die sie für ihre Dienste beim König erhielten. Hauptsächlich lagen diese auf den Inseln Møn, Sjæland, Bornholm und Ærø. Jaromar II. heiratete die pommerellische Prinzessin Euphemia. Durch diese Ehe gelangte zeitweise das Land Slavîne (Schlawe, heute Sławno, PL) mit der Burg Dirlove in Hinterpommern in rujanischen Besitz. Bei dieser Burg gründete Wizlaw II. die Stadt Rügenwalde (Darłowo, PL). Doch bereits vor 1300 wurde dieser von den mächtigeren Nachbarn beanspruchte Besitz wieder aufgegeben. Dafür trat aber Wizlaw II. 1276 die Nachfolge in der Herrschaft Loitz / Losice (= “Elchort”) südlich von Grimmen an. Die daraus gebildete neue Gardvogtei erstreckte sich bis zur Peene und Schwinge. Doch deren Zugehörigkeit zum Fürstentum Rügen scheint wohl durch die Ansprüche der stärkeren Nachbarn immer umstritten gewesen zu sein. Um 1300 hört man erst einmal nichts vom rujanischen Land Loitz, auch die Belehnung Wizlaws III. durch König Erich Menved am 14. Oktober 1304 erfolgte noch ohne Loitz. Erst am 19. April 1315 wurde Loitz in einer zweiten Belehnung durch König Erich erwähnt. Am 27. Mai 1322 hatte Wizlaw III. auch dieses Ländchen vom neuen Dänenkönig Christoph als Lehen erhalten. In seinem letzten Lebensjahrzehnt hielt sich Wizlaw sehr gern auf der Loitzer Burg auf, die sich nahe des späteren Bahnhofs und der heutigen Marina befand. Ein interessantes frühmittelalterliches Detail sieht man in der Kirche zu Loitz: Das Taufbecken (Fünte) ist ähnlich wie das in Altenkirchen mit vier Gesichtern ausgestattet und entstammt auch etwa der gleichen Zeit.

Bildnachweis:
“Die Dorfkirche von Starkow”, “Bild eines ranischen Paares in der Kirche zu Velgast”, “Die Dorfkirche von Velgast”, “möglicher Ort der Grablege der Rügenfürsten”, “Grundriss der Klosterkirche Neuenkamp (um 1288)”, “mögliche Grabplatte Wizlaws III. und seiner Kinder (Blick von oben)”, “mögliche Grabplatte Wizlaws III. und seiner Kinder (Blick von unten)”, “Schlossberg (ehemalige Gardvogteiburg) in Grimmen”: private Fotos
“Pfarrkirche der Stadt Franzburg mit neuem Dach”: Foto wurde von Herrn Pastor Prüfer zur Verfügung gestellt, vielen Dank! (
www.kirche-mv.de > Suche nach “Franzburg”)
“Die Dorfkirche von Tribohm”: Informationsblatt “Feld- und Backsteinkirchen in Nordvorpommern - Nordroute”, Landkreis Nordvorpommern / Wirtschaftsförderung
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich bei Herrn Goetze vom ehemaligen Landkreis Nordvorpommern (
www.lk-vr.de) bedanken.
“Siegel der Stadt Tribsees”, “Siegel des Abtes von Neuenkamp”: C. G. Fabricius ”Urkunden zur Geschichte des Fürstentums Rügen unter den eingeborenen Fürsten”, Stettin 1851
“Mühlentor (Tribseeser Tor) in Grimmen”: Informationsblatt “Fischland Darß Zingst Boddenküste Recknitz- & Trebeltal - Museen und Ausstellungen”, Landkreis Nordvorpommern / Tourismusförderung 2002
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildung möchte ich mich bei Herrn Kranz von voigt & kranz GbR (
www.voigt-kranz.de) bedanken.
“südlicher Querschiffsarm der Klosterkirche Neuenkamp, heute Pfarrkirche”: Informationsblatt “Feld- und Backsteinkirchen in Nordvorpommern - Südroute”, Landkreis Nordvorpommern / Wirtschaftsförderung
Für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung dieser Abbildungen möchte ich mich bei Herrn Kranz von voigt & kranz GbR (
www.voigt-kranz.de) bedanken.

Die Quellen, auf die ich mich bei meiner Arbeit vorrangig gestützt habe (chronologisch geordnet):
1. Hagen, Fr. H. v. d. “Minnesinger, Deutsche Liederdichter des 12., 13. und 14. Jahrhunderts I - IV”, Leipzig 1838
2. Fabricius, C. G. ”Urkunden zur Geschichte des Fürstentums Rügen unter den eingeborenen Fürsten”, Stettin 1851
3. Dannenberg, H. ”Pommerns Münzen im Mittelalter”, Berlin 1864
4. Pyl, Th. “Lieder und Sprüche des Fürsten Wizlaw von Rügen”, Greifswald 1872
5. Dannenberg, H. ”Münzgeschichte Pommerns im Mittelalter”, Berlin 1893
6. Pyl, Th. ”Die Entwicklung des pommerschen Wappens, im Zusammenhang mit den pommerschen Landesteilungen”, in Pommersche Geschichtsdenkmäler VII, Greifswald 1894
7. Behm, O. “Beiträge zum Urkundenwesen der einheimischen Fürsten von Rügen”, Greifswald 1913
8. Gülzow, E. ”Des Fürsten Wizlaw von Rügen Minnelieder und Sprüche”, Greifswald 1922
9. Haas, A. ”Arkona im Jahre 1168”, Stettin 1925
10. Hamann, C. ”Die Beziehungen Rügens zu Dänemark von 1168 bis zum Aussterben der einheimischen rügischen Dynastie 1325”, Greifswald 1933
11. Scheil, U. “Genealogie der Fürsten von Rügen (1164 - 1325)”, Greifswald 1945
12. Rudolph, W. ”Die Insel Rügen”, Rostock 1954
13. Ohle, W., Baier, G. ”Die Kunstdenkmale des Kreises Rügen”, Leipzig 1963
14. Steffen, W. ”Kulturgeschichte von Rügen bis 1817”, Köln, Graz 1963
15. Werg, S. ”Die Sprüche und Lieder Wizlavs von Rügen, Untersuchungen und kritische Ausgabe der Gedichte”, Hamburg 1969
16. Vá
ňa, Z. ”Die Welt der alten Slawen”, Praha 1983
17. Gloede, G. ”Kirchen im Küstenwind - Band III”, Berlin 1984
18. Herrmann, J. (Hg.) ”Die Slawen in Deutschland - Ein Handbuch”, Berlin 1985
19. Spiewok, W. ”Wizlaw III. von Rügen, ein Dichter”, in: Almanach für Kunst und Kultur im Ostseebezirk, Nr. 8 (1985)
20. Spitschuh, B. ”Wizlaw von Rügen: eine Monografie”, Greifswald 1989
21. Lange, A. “Tausendjähriges Ralswiek”, Bergen 1990
22. Hages-Weißflog, E. “snel hel ghel scrygh ich dinen namen - Zu Wizlaws Umgang mit Minnesangtraditionen des 13. Jahrhunderts”, in: ”Lied im deutschen Mittelalter. Überlieferung, Typen, Gebrauch”, Tübingen 1996
23. Bleck, R. ”Untersuchungen zur sogenannten Spruchdichtung und zur Sprache des Fürsten Wizlaw III. von Rügen” GAG Folge 681, Göppingen 2000
24. Schmidt, I. ”Götter, Mythen und Bräuche von der Insel Rügen”, Rostock 2002
25. Jahn, L. ”Wizlaw III. von Rügen - Fürst und Minnesänger” und ”Wizlaws Liederbuch”, Hofgeismar 2003
26. Sobietzky, G. “Das Fürstentum Rügen und sein Geldwesen”, Stralsund 2005
27. Kratzke, Ch., Reimann, H., Ruchhöft, F. “Garz und Rugendahl auf Rügen im Mittelalter”, in: Baltische Studien, Neue Folge Band 90 (2004), Kiel 2005
28. Ruchhöft, F. “Die Burg am Kap Arkona” (Reihe: Archäologie in Mecklenburg-Vorpommern, Band 7), Schwerin 2010
29. Reimann, H., Ruchhöft, F., Willich, C. “Rügen im Mittelalter” (Reihe: Forschungen zur Geschichte und Kultur des östlichen Mitteleuropa, Band 36), Stuttgart 2011
30. Ev. Kirchengemeinde St. Marien Bergen auf Rügen (Hg.) “Das bestickte Leinentuch aus dem Zisterzienserinnenkloster Bergen auf Rügen”, Bergen auf Rügen 2013
31. Möller, G. “Eine interessante ‘Schatzkiste’ aus dem Jahr 1318 in Stralsund - Ein Beitrag zur spätmittelalterlichen Sachkultur des norddeutschen Adels”, in: Baltische Studien, Neue Folge Band 102 (2016), Kiel 2017
32. Brunner, H., Klein, D. ”Wizlav - Sangsprüche und Minnelieder” IMAGINES MEDII AEVI Interdisziplinäre Beiträge zur Mittelalterforschung Band 52, Wiesbaden 2021

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